Jobmesse Osttirol 2026: Wo sich Osttirols Unternehmen bei Rückkehrer:innen, Zuwander:innen, jungen Talenten und erfahrenen Kräften bewerben
Vollbeschäftigung, hunderte offene Stellen und gleichzeitig große demografische Herausforderungen: Auf der Jobmesse zeigen 30 Aussteller aus der Region, warum Osttirol das Chancen-Tirol ist, das auf Rückkehrer:innen, Zuzug, junge Talente und neue Rollenbilder setzt.
Osttirol ist das Berg-Tirol. Das ist niemandes Verdienst, das ist ein topografischer Fakt. Der Osttiroler Arbeitsmarkt entwickelte sich vom Tiroler Sorgenkind zum Musterschüler. „Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit im Bezirk Lienz war in den letzten zehn Jahren sehr positiv“, bestätigt Philipp Seirer-Baumgartner vom AMS Tirol. 2025 lag die Arbeitslosenquote im Bezirk bei nur 4,2 %. Also ist im Bezirk Lienz alles gut? Nicht so schnell.
Demografische Herausforderungen
Der Bezirk Lienz steht vor einer ganzen Reihe an Herausforderungen: Überalterung und Abwanderung – insbesondere junger Frauen – drohen die demografische Pyramide auf den Kopf zu stellen. „Osttirol muss das Willkommens-Tirol werden. Wir brauchen Zuzug“, sagt INNOS-Geschäftsführerin Barbara Hassler. Während im Tirol-Schnitt 28,3 % der unselbständig Beschäftigten Ausländer:innen sind, sind es in Osttirol nur 9,2 %. „Der Arbeitsmarkt ist ausgetrocknet, es herrscht quasi Vollbeschäftigung. Deshalb wird es immer wichtiger, allen erwerbsfähigen Personen – unabhängig von Alter, Geschlecht, Ausbildungsstand und gesundheitlichen Einschränkungen – eine Chance zu geben“, so Barbara Grain, Leiterin des AMS Lienz. Sie weist auf die Wichtigkeit der Stellenmeldungen beim AMS hin. „Förderprogramme, Stipendien, Mangelberufslisten und Kontingentsbewilligungen entstehen ausschließlich über den durch das AMS nachweislich festgestellten Arbeits- und Fachkräftemangel“, hält Grain fest. 2025 gab es im Jahresschnitt 435 sofort verfügbare offene Stellen. Von 2015 bis 2025 stieg die Beschäftigung der über 50-Jährigen um 43,1 %, während jene der unter 25-Jährigen um 15,1 % zurückging.
Zugpferde produzierendes Handwerk und Industrie
Junge Talente sind rar und oft länger in Ausbildung. Auch deshalb gibt es die Jobmesse Osttirol, auf der die regionale Wirtschaft um die Jugend wirbt und sich gewissermaßen bei den jungen Menschen bewirbt. „Das ist auch eine Chancen-Messe, bei der sich heimische Unternehmen speziell für die Jugendlichen Zeit nehmen und auf ihr vielfältiges und attraktives Jobangebot aufmerksam machen wollen“, sagt WK-Bezirksstellenleiter Johann Kollreider. Die Arbeitsmarktentwicklung bezeichnet er als „klaren Beleg dafür, dass Industrie und produzierendes Handwerk in den letzten zwei Jahrzehnten der Jobmotor Osttirols gewesen sind.“ Die Zahlen verdeutlichen das: In der Produktion – Industrie und Gewerbe – sind von 2015 bis 2025 626 neue Jobs entstanden, im Gesundheits- und Sozialwesen 403. Im Tourismus waren es nur 34, und der Handel ist um 70 Arbeitsplätze (3%) geschrumpft.
Tradierte Rollen aufbrechen: Großes Potenzial bei Frauen
Die Produktion ist männlich dominiert (72,2 %), der Gesundheits- und Sozialbereich weiblich (80,8 %). Beide Branchen haben beim jeweils unterrepräsentierten Geschlecht noch deutlich Luft nach oben. Auch das wird sich auf der Jobmesse widerspiegeln. Die Gesamt-Erwerbsquote im Bezirk liegt bei 79,1 % (74,3 % in Österreich). Die Vollzeitbeschäftigung der Männer blieb stabil, jene der Frauen ist um 10,3 % gesunken. Bei der Teilzeitbeschäftigung gibt es große Geschlechterdifferenzen – und damit großes Potenzial. So arbeiteten 2023 rund 1.200 Männer und 5.600 Frauen in Teilzeit. „Diese Jobmesse soll auch ein klares Signal aussenden, dass mit tradierten Rollenbildern gebrochen werden soll und Frauen eine prominentere Rolle in der Osttiroler Wirtschaft einnehmen sollen“, sagt Michaela Spiess von der INNOS Gmbh.
Zuzug, Heimkehr, lebenslanges Lernen
Es gilt, bessere Rahmenbedingungen zu schaffen, um mehr Frauen für den Arbeitsmarkt zu aktivieren – und die Abwanderung junger Frauen einzudämmen. „Der Rückgang von Frauen unter 25 Jahren – bis 2040 ist mit rund -10% zu rechnen – stellt für Osttirol eine besonders eindrückliche Herausforderung dar, weil damit auch die zukünftigen Generationen aus Osttirol abwandern“, hält Philipp Seirer-Baumgartner fest. Die schwache Bevölkerungsentwicklung kann nur durch Zuzug und – wie es das Messe-Motto „z`ruck hoam“ nahelegt – Rückkehrer:innen und Produktivitätsfortschritte abgefedert werden. „Es braucht Investitionen in Automatisierung und Digitalisierung, um die Wertschöpfung im Bezirk zu erhalten und die hohe Lebensqualität sichern zu können“, sagt Elisabeth Kreuzer, Vorstandssprecherin der Felbertauernstraße AG. Und dazu braucht es gut ausgebildete Mitarbeiter:innen, die sich in Unternehmen und Ausbildung laufend weiterentwickeln können. „Dafür braucht es die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen, eine altersgerechte Arbeitsplatzgestaltung und optimierte gesetzliche Rahmenbedingungen. So können langjährige Mitarbeiter:innen ihren Erfahrungsschatz bis zur Pensionierung und auch darüber hinaus nutzen und weitergeben“, sagt AK-Bezirkskammerleiter Wilfried Kollreider.
Die Herausforderungen sind zahlreich. Die Chancen aber auch. Das wird die Jobmesse 2026 zeigen. „Osttirol hat Jobs und braucht Menschen. Osttirol ist heute“, sagt Barbara Hassler, „das Chancen-Tirol.“
Die durch LEADER unterstützte Jobmesse wird als Kooperationsprojekt der INNOS GmbH, der Arbeiterkammer, der Osttiroler Investment GmbH, der Privatstiftung Lienzer Sparkasse und der Wirtschaftskammer sowie zahlreicher Betriebe aus der Region veranstaltet.
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